Das chinesische Neujahrsfest ist in der chinesischen Tradition das wichtigste Fest des Jahres. Seit dem 14 Jahrhundert haben sich Chinesen in Thailand angesiedelt und machen heute etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. So wird auch hier allerorts das chinesische Neujahrsfest mit viel roter Farbe, noch mehr Knallkörpern und Löwentänzen gefeiert – allen voran in den sogenannten „Chinatowns“, den überwiegend chinesisch bevölkerten Vierteln in größeren Städten.

Das Datum für den Jahreswechsel ist beweglich, da es sich nach dem chinesischen Lunisolarkalender richtet. Meist fällt das Datum auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende, also irgendwann zwischen dem 21. Jänner und dem 21. Februar. Die Feierlichkeiten ziehen sich über 15 Tage hin und lösen in Südostasien, eigentlich weltweit, eine beachtliche Reisewelle aus, da traditionell jeder bei seiner Familie sein möchte.

Das Neujahrsfest wird auch Frühlingsfest genannt, es markiert das Ende der kältesten und entbehrungsreichsten Periode des Jahres. Man freut sich auf die kommende Aussaat und Ernte, und heißt alle neuen Anfänge willkommen. Im Grunde basieren all die Rituale auf dem Loslassen des Alten, mit all den unangenehmen Dingen die man erfahren hat, und dem Hereinbitten des Neuen, voller Hoffnung dass aller Unbill vernbleibt.

Der Bettler und das Biest – der Mythos zum Fest

Es war einmal ein Monster namens Nián, eine Mischung aus Drache und Kirin, das einmal im Jahr vom Grunde des Meeres auftauchte um sich an Tieren und Menschen zu laben. An diesem Tag verließen die Menschen ihre Dörfer um in den Bergen Schutz zu suchen.

Es begab sich, dass eines Jahres ein Bettler an diesem Tag auftauchte und um Unterkunft bat, aber alle hatten es viel zu eilig davonzulaufen. Außer einer alten Frau, die den Bettler einließ, woraufhin dieser versprach Nián zu verscheuchen. Er begann alle Häuser des Dorfes mit roten Bändern zu schmücken und kleidete auch sich selbst ganz in rote Gewänder.

Als dann um Mitternacht Nián in das Dorf stapfte, war er von den vielen roten Bändern an den Türen der Häuser irritiert und erhob zorniges Gebrüll. Plötzlich explodierten Feuerwerkskörper rund um das Monster und es begann vor Angst zu zittern. Als es dann auch noch den ganz in Rot gekleideten Bettler erblickte, der es auslachte, konnte Nián nichts anders tun als zu fliehen.

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Am nächsten Tag kamen die Dorfbewohner aus den Bergen zurück und waren freudig erstaunt darüber, dass alle Häuser noch standen. Sie erkannten, dass viel Lärm und die Farbe Rot des Monsters Kryptonit sind. So feierten sie das Überleben ihres Dorfes dank des heldenhaften Bettlers und zündeten dabei zur Sicherheit gleich noch mehr Knallkörper.

Noch mehr Symbole und Rituale

Die Farbe Rot gilt in China als Symbol für Schutz vor bösen Geistern und Dämonen, als Glücksmagnet und als Wohlstandsbringer. Zum Jahreswechsel tauscht man auch Geschenke aus, wobei die Kinder stets Geld in roten Umschlägen bekommen. Dies symbolisiert die Übertragung von Glück und Wohlstand von den älteren auf die jüngeren. Diese Tradition gibt es natürlich auch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, oder unter Freunden. Da die Zeit nicht stehen bleibt werden heute digitale „Red Pockets“ immer beliebter.

Als ausgewiesenes Familien- und Clanfest werden an dafür bestimmten Tagen Verwandte besucht, Geburtstage von Göttern gefeiert, die verheirateten Töchter mit Ehemännern willkommen geheißen und die Ahnen geehrt. Vor allem wird dabei aber immer sehr viel gegessen und auch gerne getrunken. Es gibt auch einen Tag an dem „jedermanns Geburtstag“ gefeiert, jeder wird schließlich an Neujahr um ein Jahr älter.

Der traditionelle Löwentanz gehört auch zu den Feierlichkeiten dazu. Der Löwe ist das Symbol für Kraft, Weisheit und Schicksal, er vertreibt böse Geister und bringt Glück, langes Leben und Wohlstand ins Haus. Die Löwen tanzen auch bei Geschäftseröffnungen oder Gebäudeeinweihungen. Der Löwe der hier tanzt ist eigentlich auch ein Fabelwesen, er wird oft mit einem Horn auf der Stirn dargestellt. In anderen Legenden rund um die Neujahrsfeiern entspricht er dem Jahresmonster Nián. So wird bei den Tänzen auch der zuvor erzählte Mythos über den Sieg des Bettlers, oder kleinen Jungen (je nach Ursprung) über das Monster gezeigt.

Wie der Jadekaiser ausgetrickst wurde

Krönender Abschluss der Neujahrsfeiertage ist das Laternenfest. Überall hängen die erleuchteten, roten Laternen und die Menschen gehen auch mit Handlaternen auf die Straße.

Die Geschichte dazu erzählt von einem himmlischen Schwan der von einem Jäger getötet wurde. Der Jadekaiser war darüber so sehr erzürnt, dass er beschloss seine Ritter zu entsenden und die Erde zu komplett verbrennen. Einige der niederen Götter waren entsetzt ob dieses Planes und warnten heimlich die Menschen auf der Erde. Also hing jedes Haus Laternen hinaus, die Menschen wanderten mit Fackeln und Laternen umher und zündeten dabei Feuerwerkskörper. Vom Himmel aus betrachtet sah es aus als würde die Welt in Flammen stehen. Der Jadekaiser ließ sich täuschen und die Menschen wurden so von seinem Zorn verschont.

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Das Laternenfest ist in China ungefähr so, wie bei uns der Valentinstag. Früher durften Frauen nicht alleine außer Haus gehen, außer am Abend des Laternenfestes. Sie konnten sich frei bewegen, den Mond beobachten, Spiele spielen und mit Männern sprechen. Feinster Stoff für wildromantische Geschichten also.

Chinesisches Neujahr auf Koh Phangan

Bei uns zieht die Parade mit Trommlern, Tänzern, Löwen, Drachen und heiligen Figuren vom Chinesischen Tempel durch die Straßen und Gassen von Thongsala. Sie stoppen in vielen Läden, Restaurants und in privaten Haushalten wo geopfert, gedankt und getanzt wird. Am Foodmarket gibt es dann eine abschließende Tanzperformance der Löwentänzer.

Es ist und bleibt eine religiöse Veranstaltung die für die chinesischstämmige Bevölkerung eine weit tiefere und größere Bedeutung hat, als für uns die wir eigentlich nur zusehen. Daher appellieren wir einfach an dein Taktgefühl wenn du an der Parade teilnimmst. Du bist gerne gesehen und vielleicht wirst du auch mit einem Segen bedacht, das kommt schon mal vor. Wenn möglich trage etwas Rotes, es kann ja schließlich nicht schaden das Glück auf sich aufmerksam zu machen, wenn es denn gerade in der Stadt ist.

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Ein Blick in die Kristallkugel – Das Jahr der Metall-Ratte

Das Jahr der Metall-Ratte beginnt am 25. 2. 2020 und endet am 11. 2. 2021. Die Ratte ist das erste Zeichen im chinesischen Tierkreis, was ihr übrigens nur durch eine List gelungen ist. Sie gilt als Beschützerin und Wohlstandsbringerin.

Dieses Jahr steht im Zeichen der Neuanfänge, neuen Möglichkeiten und der Erneuerung. Die Ratte bringt uns kreative Energie, die uns die innere Gewissheit gibt, dass alles möglich ist. Das ganze Jahr über wird das Glück auf unserer Seite sein, aber wir müssen es ergreifen sobald es an unsere Türe klopft. Denn nichts verschreckt das Glück mehr, als wenn man daran zweifelt.

Geschäftlich müssen wir 2020 unsere Ziele mit Zuversicht und unerbittlicher Entschlossenheit verfolgen. Wir dürfen uns nicht von Schwierigkeiten oder Misserfolgen aufhalten lassen. In der Liebe verspricht dieses Jahr friedlicher und harmonischer zu werden, als es das vergangene Jahr des Erd-Schweins war. Es kann der Anfang einer neuen Liebe, oder die Erneuerung einer etwas eingerosteten Liebe sein. Das Jahr der Ratte 2020 wird im Allgemeinen ein gutes Jahr werden, das viele Chancen und besondere Begegnungen beinhaltet, und auch in der einen oder anderen dramatische Situation Ausgleich bringt.

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Bilder vom Chinesischen Neujahr auf Koh Phangan